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  • Hans Jacob

40 Jahre INTERPLAST-Germany


Es ist nicht unser Verdienst, in eine Welt des Wohlstandes und der optimalen medizinischen Versorgung geboren zu sein. Es ist nicht deren Schuld, mit einer Fehlbildung oder Verbrennungsfolgen in einem Entwicklungsland aufzuwachsen, in dem es für die Armen keine plastische Chirurgie gibt. Lasst uns versuchen, diese Ungerechtigkeit der Natur auszugleichen – soweit es in unserer Macht steht.-


Dies ist die Motivation für viele humanitäre Organisationen in Entwicklungsländern aktiv zu werden. Neben anderen medizinischen Fächern ist die Plastische Chirurgie aufgrund ihres geringen diagnostischen Aufwandes besonders geeignet, auch unter minimalen technischen Voraussetzungen optimale Operationsergebnisse zu erzielen. In vielen Nationen haben sich deshalb Plastische Chirurgen organisiert um Hilfe denen zu bringen, die in ihren Ländern selbst keinen Zugang zur Plastischen Chirurgie haben.


INTERPLAST-Germany e. V.


Beeindruckt von der Idee der direkten plastisch-chirurgischen Hilfe in Entwicklungsländern gründete Gottfried Lemperle 1980 in Frankfurt INTERPLAST-Germany und war selbst erstaunt, wie schnell der Funke auf seine Oberärzte übersprang. Viele Kollegen in Deutschland und bald auch in Europa organisierten selbst Teams und machten so die INTERPLAST-Idee zu einem Selbstläufer. In den ersten 10 Jahren wurden von fast 50 Teams über 3200 Patienten in Entwicklungsländern operiert.


Im Gegensatz zu Interplast-USA, wo eine strikte Zentralisierung alle Einsätze von der Team-Zusammenstellung bis zum letzten Tupfer bestimmt und organisiert, war in Deutschland von je her jeder Teamleiter persönlich aufgerufen, seinen Einsatzort zu bestimmen, sein Team zu organisieren, um Nahtmaterial und Medikamente zu betteln, und nach erfolgter Mission Vorträge für weitere Spendeneingänge zu halten. Diese Eigenverantwortlichkeit steigert fraglos die Motivation zur Optimierung der eigenen Einsätze, während INTERPLAST-Germany e.V. im Hintergrund für Versicherung, zusätzliche Finanzierung und das Einhalten der Rahmenbedingungen sorgt.


Seit 2020 organisiert und führt Andre Borsche in Bad Kreuznach ein zweites Mal als Vorsitzender Interplast-Germany zu vielen Einsätzen und weltweiten Hilfen. Alle personellen Aktivitäten erfolgen ehrenamtlich ohne jegliche Aufwandsentschädigungen. Lediglich die INTERPLAST-Sekretärin erhält ein kleines Gehalt, wobei sie ein Vielfaches an Zeit aus persönlicher Begeisterung für die „gute Sache“ zusätzlich investiert.


Wir fühlen uns unseren vielen kleinen und großen Spendern verpflichtet und halten den Verwaltungskostenaufwand auf unter 5% . Darin enthalten ist der Druck des Jahresheftes mit einer Auflage von beinahe 5.000 Exemplaren, das als Forum und offizielles Aushängeschild unseres Vereins fungiert. Wir wehren uns gegen jede Kommerzialisierung und betreiben unsere Spendenrekrutierung durch individuelle Aktionen und persönliche Spenderpflege. Im Zeitalter von „Spendenmailings“ wird gerade das „Unprofessionelle“ unserer Spendenphilosophie häufig als sympathisch empfunden und von vielen treuen Spendern honoriert.


INTERPLAST-Symposium


Seit 2001 findet jedes Jahr im März ein INTERPLAST-Symposium in Bad Kreuznach statt, das sich mittlerweile zu einem beliebten Treffpunkt für international agierende Aktivisten entwickelt hat. Hier gewinnt der Kooperationsgedanke zunehmend an Bedeutung und das Symposium bietet eine ideale Plattform, die Integration von Ärzten verschiedener Fachgebiete sowie Pfleger und Schwestern zum Wohle der Hilfsprojekte zu realisieren. Nur so können wir auf eine längerfristige Zusammenarbeit bauen und die Nachhaltigkeit unseres Wirkens fördern.


Und so freut sich André Borsche über 180 Kongress-Teilnehmer, die engagiert diskutieren und bekunden, wie wichtig ihnen der vertrauensvolle Erfahrungsaustauch in freundschaftlicher Atmosphäre ist, da wir alle nur von einander lernen können.


INTERPLAST-Akademie


Auf Initiative seiner früheren Oberärzte Dietmar Scholz und Nuri Alamuti in Wiesbaden werden erfahrene INTERPLAST-Mitglieder eine interne Fortbildung und Vorbereitung für Einsatzinteressierte anbieten. Diese Akademie fand erstmals 2008 in Wiesbaden zum Thema „Verbrennungen“ statt und wird auf Grund der großen Nachfrage regelmäßig fortgeführt werden. Mit Druck eines kleinen engl. Taschenbuchs „Camelbook“ der holländischen OP-Schwester Greta Hesseling zu Techniken der plastischen Chirurgie, geben wir auch interessiertem Pflegepersonal, Studenten und lernenden Ärzten in den Einsatzländern etwas in die Hand, um sich erstmals näher mit unserem Fachgebiet zu beschäftigen.

INTERPLAST-Struktur


Im Gegensatz zu Interplast-USA, wo eine strikte Zentralisierung alle Einsätze von der Team-Zusammenstellung bis zum letzten Tupfer bestimmt und organisiert, war in Deutschland von je her jeder Teamleiter persönlich aufgerufen, seinen Einsatzort zu bestimmen, sein Team zu organisieren, um Nahtmaterial und Medikamente zu betteln, und nach erfolgter Mission Vorträge für weitere Spendeneingänge zu halten. Diese Eigenverantwortlichkeit steigert fraglos die Motivation zur Optimierung der eigenen Einsätze, während INTERPLAST-Germany e.V. im Hintergrund für Versicherung, zusätzliche Finanzierung und das Einhalten der Rahmenbedingungen sorgt.


INTERPLAST-Sektionen


Die dezentrale Vereinsstruktur von INTERPLAST in Deutschland spiegelt sich in der Etablierung von 12 Sektionen wieder, die alle ihre eigenen Projekte betreuen, für die sie selbst verantwortlich sind. Sie kümmern sich um die Spendeneinahmen und werden bei Bedarf vom INTERPLAST Hauptkonto unterstützt. So wurden aus begeisterten Einsatz-Teamleitern engagierte Sektionsleiter, die in ihrem persönlichen Umfeld die INTERPLAST-Sympathisanten um sich herum gruppierten. So entstanden 1988 nach der Sektion-Stuttgart unter Werner Widmaier, die Sektion-München unter Heinz Schoeneich, die Sektion-Duisburg unter Peter Preissler und Jürgen Toennissen, die Sektion-Frankfurt unter Hermann Lampe, Marianne Wolters und Ortwin Joch, die Sektion-Eschweiler unter Hans-Elmar Nick, Wolfgang Buntenbroich und Matthias Gensior, das Nepal-Projekt in Hennef unter Hein Stahl und Gottfried Lemperle, die Sektion-Bad Kreuznach unter André Borsche, die Sektion-Südbaden unter Günter Zabel / Schopfheim und Martin Schwarz / Freiburg, die Sektion-Vreden unter Arnulf Lehmköster, die Sektion-Siebengebirge unter Michael Schidelko / Bad Honnef, die Sektion-Südbayern unter Andreas Schmidt / Murnau, die Sektion-Baden-Baden/Rastatt unter Rüdiger Herr sowie Dieter Voy aus Hattingen, der einen eigenen Förderverein „pro-Interplast Ruhrgebiet“ gründete.


INTERPLAST Aktivitäten


INTERPLAST-Germany organisiert pro Jahr etwa 60 Einsätze in denen über 4000 Patienten durch plastisch-rekonstruktive Operationen unentgeltlich geholfen wird. Die Einsatzorte erstrecken sich über Afrika, Asien, Süd- und Zentral-Amerika und sind unabhängig von Rasse, Religion oder politischer Gesinnung gewählt. Einziges Ziel ist die unmittelbare Hilfe für sozialbenachteiligte Patienten und die Unterstützung der medizinischen Mitarbeiter vor Ort im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe. Die durchschnittlichen Behandlungskosten per Patient liegen zur Zeit bei 150 E.


Während Interplast-USA vorab Organisatoren für den Einsatz, und dann Kinderärzte, Sozialarbeiter, Psychologen, Sprach-Therapeuten und Kieferorthopäden, Nachsorge-Assistenten, etc., d.h. Teams von 16-20 Aktiven, entsendet, begnügen wir uns bewusst mit wesentlich weniger. Als Gäste wollen wir die Gastgeber nicht durch unsere Anwesenheit erschlagen, sondern uns mit Respekt in das einladende Krankenhaus integrieren. So bestehen unsere Teams aus 4 bis maximal 10 Teilnehmern, wobei meist 2 erfahrene Chirurgen, 2 Assistenten, 2 Anästhesisten, 2-3 Schwestern und 1 Student zum Einsatz kommen.


In jedem Fall freuen wir uns, das örtliche Personal mit zu beteiligen und es auch in die Verantwortung der Nachsorge unserer gemeinsamen Patienten miteinzubinden. Dies gelingt aber nur, wenn man dies bewusst anstrebt und die Kollegen ermuntert am Erfolg des Einsatzes zu partizipieren. In der Regel umfasst ein INTERPLAST-Einsatz von 2 Wochen 10 Operationstage, an denen auf 2 Tischen bis zu 12 Stunden operiert wird. Gegen Ende des Einsatzes müssen Zeiten für Verbandswechsel und evt. Revisionen miteingeplant werden.


Operationen in Deutschland


Patienten, die komplexe Rekonstruktionen oder mehrzeitige Operationen erfordern, werden in Ausnahmefällen auch in Deutschland versorgt, vorrausgesetzt die Kostenfrage, Einreise-Logistik und Verantwortlichkeit sind geklärt. Dank der Fortschritte in der Mikrochirurgie, den intensivmedizinischen Möglichkeiten und der abgesicherten Nachbetreuung, konnten Patienten mit großen Defekten oder Tumoren, schweren Verbrennungsfolgen, Noma oder Neurofibromatose, eine optimale Behandlung ermöglicht werden. Manchmal gelingt es auch in Entwicklungsländern selbst eine hochspezialisierte Versorgung zu vermitteln, wie es Wolfgang Mühlbauer in Myanmar mit der cranio-fazialen Chirurgie der Meningozelen schaffte.


Im Bewusstsein der vergleichsweise extrem hohen Behandlungskosten in Deutschland gilt es auch den sozio-psychologische Aspekt eines nur vorübergehenden Aufenthaltes bei uns zu berücksichtigen. Patienten aus den ärmsten Regionen der Welt sind dann urplötzlich mit unserem Wohlstand, Fürsorge und Kultur konfrontiert. Zurück in der Heimat müssen sie die Reintegration verkraften und sich wieder mit den beschränkten Möglichkeiten zurechtfinden. Auch mag eine zu hohe Erwartungshaltung an den erhofften Behandlungserfolg gerade bei den schweren Verbrennungen enttäuscht werden.

Hilfe zur Selbsthilfe


„Gib einem Menschen einen Fisch - und er hat heute zu essen. Lehre ihn zu fischen - und er kann seine Familie selbst ernähren“. Diesen chinesischen Spruch hatte Donald Laub auf seine Fahne geschrieben; er musste jedoch bald erkennen, dass die Ausbildung von Chirurgen in Entwicklungsländern äußerst mühsam ist. Bei vielen Einsätzen schauen die Kollegen am ersten Tag interessiert zu, danach werden sie aber nicht mehr gesehen. Dennoch gibt es aber immer wieder hoffnungsvolle Beispiele, die ein Training der lokalen Ärzte als äußerst sinnvollen Bestandteil des Einsatzes praktizieren.


So trafen wir in Sikkim, Myanmar und Vietnam sehr lernwillige Kollegen, die sich bemühten, Lippen– und Gaumen-Operationen bis zum nächsten Besuch des Teams selbst operieren zu können und uns ihre Fortschritte stolz demonstrierten.


Hochspezialisierte Weiterbildung wird dann dankbar angenommen, wenn motivierte Spezialisten vor Ort ein echtes Interesse bekunden.


So hat 1989 ein „Klumpfuss-Programm“ von Ortwin Joch in Thailand große Resonanz gefunden – ebenso ein „Hüftprothesen-Programm“ der Heidelberger Orthopäden in Cochin/Südindien, sowie das „Meningozelen-Programm“ der Münchner Sektion in Burma. Als erstes Land haben die Plastischen Chirurgen in Ecuador nach 25 Jahren und fast 100 Missionen von Interplast-Teams aus Stanford die unentgeltliche Versorgung ihrer armen Landsleute selbst in die Hand genommen.


Gastärzte aus Entwicklungsländern


Bei den Einsätzen treffen wir immer wieder auf meist junge, interessierte und hilfsbereite Assistenten, die unseren Idealismus und unser Engagement teilen. Wir laden sie deshalb an unsere Abteilungen in Deutschland für einige Monate zu einer Kurzausbildung in Plastischer Chirurgie ein – und oftmals wundern wir uns dann später, wo sie abgeblieben sind.


Von den mehr als 15 chirurgischen Kollegen aus Indien und Afrika, die wir für 3-6 Monate nach Frankfurt eingeladen hatten, blieb nur wenige bei der Stange : z.B. Prakash Chhajlani aus Indore/Indien, der mehrere Interplast-Teams begleitete und in Indore seit 20 Jahren nebenher eine Spalten-Klinik betreibt, die auch mittellosen Patienten Operationen ermöglicht. Oder Prof. Pius Agbenorku, der an der Universität in Kumasi, Ghana eine Abteilung für Plastische Chirurgie aufbaute, an der heute deutsche Ärzte hospitieren.

Viele andere Gäste blieben aber für gutes Gehalt in arabischen Ländern hängen oder eröffneten zuhause eine Privatpraxis. Dies ist keineswegs eine Verurteilung, aber eine Erklärung für die schleppende Entwicklung der humanitären Hilfe in ihren eigenen Ländern. Es ist nur allzu menschlich, dass die Erfüllung des eigenen Lebensstandards vor der Hinwendung zum kranken Nachbarn rangiert.


Pro-Interplast Seligenstadt


Der INTERPLAST-Funke sprang auch auf eine frühere Patientin des Markus-Krankenhauses Frankfurt, Frau Waltraud Huck, über. Sie gründete 1989 mit ihren Freundinnen in Seligenstadt den Förderverein „pro-Interplast“. Auf Weihnachtsmärkten, Geburtstagen, Hochzeiten und Betriebsfeiern sowie bei Richtern und Staatsanwälten sammelten sie in 30 Jahren über 4 Millionen Euro an Spenden, finanzierten über 300 Teams und zusätzlich 145 Einsätze im Nepal-Hospital, sowie die Operationen von 65 Kindern in Deutschland – bei einem Verwaltungsaufwand von 0.8 % ! Hut ab vor dieser Frau ! In Buxarah bei Calcutta entsteht zurzeit das erste pro-Interplast-Haus für 100 behinderte Kinder. Den Vorsitz von pro-Interplast hat inzwischen Frau Reinhilde Stadtmüller und ihr Team übernommen.


Ebersberger Förderverein Interplast


Auch Hajo Schneck, leidenschaftlicher INTERPLAST-Anästhesist aus Ebersberg, gründete 2002 einen Förderverein in Bayern, der seither regelmäßig Einsätze finanzieren hilft. Ihm verdanken wir auch die starke Repräsentanz des Fachgebietes Anästhesie bei INTERPLAST und als Fachbeirat gehört er dem erweiterten Vorstand an. Gerade wenn es um Sicherheit unserer Operationen unter manchmal sehr improvisierten Bedingungen geht, trägt die Anästhesie ja eine große Verantwortung. Nur im engen kollegialen Miteinander gelingt es schwierige Situationen zu meistern.


INTERPLAST-Hospitäler


Das 1. INTPLAST-Hospital wurde von Werner Widmaier und seiner ganzen Familie aus Stuttgart 1992 in Coroatà im Staat Maranhao, dem Armenviertel im Nordosten Brasiliens, auf Bitten des dortigen Bischofs errichtet. Getragen von der christlichen Idee sich für ein zufriedenes Leben zu bedanken, organisierten Werner und Gretel Widmaier insgesamt 35 medizinische Hilfseinsätze in Tansania, Kamerun und Brasilien. Ihr Hospital wird auch heute noch regelmäßig von deutsch-brasilianischen Einsatzteams besucht und mit Leben erfüllt.


Das 2. Interplast Hospital wurde von Ortwin Joch, Unfallchirurg aus Frankfurt, 1995 in Jalalabad /Afghanistan gegründet, nachdem er seit 1989 zusammen mit 18 Interplast-Teams afghanische Flüchtlinge in 2 Hospitälern in Peshawar / Pakistan behandelt hatte. Die Einstellung der finanziellen Hilfe durch die EU – und Übernahme des Hospitals durch die Taliban setzten diesem überaus effektiven Einsatz jedoch 1999 ein jähes Ende.


Nach Vorarbeiten von Hermann Lampe und Marianne Wolters aus Frankfurt entstand 1997 durch Gottfried Lemperle das 3. INTERPLAST-Hospital aus einer verlassenen kleinen holländischen Lepra-Station in Sankhu, 18 km östlich von Kathmandu / Nepal. Lemperles Schwager Hein Stahl, ein pensionierter General der Luftwaffe, hat es seither zu einem der schönsten und bestausgestatteten Hospitälern Nepals ausgebaut. Es führt den Namen Sushma-Koirala-Memorial-Hospital im Andenken an die Frau des ehemaligen Ministerpräsidenten, die in ihrem Sahri verbrannte. Ein gleichnamiger Trust ist INTERPLAST’s Partner vor Ort.


Der erste ärztliche Direktor und emeritierter MKG-Chirurg der Universität Köln, Dieter Pape brachte es zu Nepal-weiter Anerkennung. Er wurde 1999 von Andreas Settje abgelöst, der mit bewundernswertem Mut die Stellung während der politischen Unruhen durch die Maoisten hielt und das Projekt wesentlich ausbaute. Sein Nachfolger hat dann 2008 die Ärzte im Hospital in plastischer rekonstruktiver Chirurgie weiter trainiert, sodass ab 2009 die medizinische Leitung in nepalische Hände gelegt werden konnte. Dank der Unterstützung auch durch andere Organisationen ist das Hospital heute bestens ausgestattet und mit 5 Chirurgen sowie über 2000 Operationen pro Jahr eine der aktivsten Krankenhäuser Nepals und ein entwicklungspolitisches Vorzeige-Projekt.


Ein 4. INTERPLAST-Hospital, das REHEMA (Barmherzigkeit) Centre Medical in der 2-Millionen-Stadt Goma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo wird seit 2021 von Gottfried Lemperle in Zusammenarbeit mit der dortigen Kirche des Nazareners gebaut und soll im Frühjahr 2022 in Betrieb genommen werden und viele INTERPLST-Teams anziehen.


INTERPLAST-Germany war weiterhin an der Gründung von Noma-Hospitälern in der Sahel-Zone beteiligt. Die AWD-Stiftung Kinderhilfe in Hannover errichtete 1995 in Sokoto / Nigeria, das Noma Children Hospital – und die Hilfsaktion „noma“ in Regensburg ein Hospital in Niamey / Niger. Beide wurden seither in regelmäßigen Abständen von INTERPLAST-Teams besucht. Ausserdem unterstützte die Sektion München von 1999-2005 die Abteilung für Plastische Chirurgie an der Universität Mbarara / Uganda und dessen Leiter Ralf Sautter, der 2005 zum Noma Children Hospital nach Sokoto wechselte. Auch half die Sektion München beim Ausbau des Provinz-Krankenhauses in Kentung / Myanmar (früher Burma), in dem heute von einheimischen Spezialisten Spalten und Verbrennungskontrakturen erfolgreich operiert werden.


INTERPLAST-Europa


Angeregt durch das amerikanische Vorbild und die Einbindung ausländischer Kollegen in unsere deutschen Teams entstanden weitere nationale INTERPLAST Organisationen. So folgten unserem Beispiel Leo Rozner, der 1984 Interplast-Australia, und Charles Viva, der 1986 Interplast-UK gründeten. Gottfried Lemperle und Donald Laub flogen 1987 nach Adana in die Türkei, wo ein alter Freund und Mitstreiter, Sabri Acatuerk, Interplast-Turkey gründete. Die deutsch-französische Freundschaft wurde mit der Gründung von Interplast-France 1989 durch Remy Zilliox in Lyon unterstrichen, der einen Teil seiner plastisch-chirurgischen Ausbildung in Franfurt erlebte. 1990 konnten dann Interplast-Holland mit B. De Jong und Rein J. Zeeman sowie Interplast-Italy mit Paolo Morselli in Bologna die europäische INTERPLAST Gemeinschaft erweitern.


INTERPLAST-Stiftung


Zur Förderung langfristiger Projekte, so auch das Nepal-Hospital und Heinz Schoeneich’s Initiative in Burma, wurde 2004 die INTERPLAST-Stiftung gegründet. Während ein gemeinnütziger Verein gesetzlich gehalten ist, Spenden zeitnah zu verwenden, d.h. innerhalb von 2 Jahren in Aktionen umzusetzen, kann dagegen bei einer Stiftung durch steuerfreie „Zustiftungen“ ein Stiftungskapital angesammelt werden, aus dessen Zinsen regelmäßig auch über viele Jahre Projekte unterstützt werden. www.interplast-germany.info


INTERPLAST-Mitglieder


Immer wieder ist es verblüffend wie viele Ärzte, Schwestern, Pfleger und Helfer die Faszination und Herausforderung lockt, unter einfachsten Bedingungen wirklich effektiv zu helfen. Sie opfern Ihren Urlaub oder nutzen die Zeit nach der Pensionierung, um ihre praktischen Erfahrungen weiterzuvermitteln, sie wieder aufleben zu lassen und zum Wohle der Menschen in den Entwicklungsländern einzusetzen. Für einen Mitgliedsbeitrag von nur 30E im Jahr sind sie bei INTERPLAST mit dabei und auf ihrem Einsatz versichert. Und so zählt unser Verein inzwischen über 2400 Mitglieder, die entweder selber aktiv agieren möchten oder als Fördermitglied uns finanziell unterstützen.


Motivation der Teammitglieder • Operative Selbstverwirklichung • Flucht aus deutschen Verwaltungszwängen • Sinnvolles und unmittelbares Handeln • Sozialpolitische Verantwortung für Entwicklungsländer • Dankbarkeit für ein erfülltes Leben • Christliche Menschenliebe


Und wie geht es weiter ?


Wo soll das einmal hinführen? Seit 30 Jahren hat INTERPLAST-Germany in mehr als 1500 Einsätzen über 100.000 Patienten durch plastisch-rekonstruktive Operationen helfen können. Dabei sind für die Teammitglieder neben der Hilfsbereitschaft Improvisationstalent und fachliches Können unbedingte Voraussetzung. Während wir früher schon mit einfachen plastisch-chirurgischen Maßnahmen vieles bewirken konnten, haben sich auch in den Entwicklungsländern die medizinischen Möglichkeiten erweitert.


Mit wachsendem Ausbildungsniveau und zunehmenden Selbstbewusstsein der Gastgeberländer werden die Erwartungen an die Einsatzteams größer und differenzierter. Neben dem Wunsch möglichst vielen Menschen in der kurzen Zeitspanne des Einsatzes zu helfen, darf die Qualität der Hilfe nicht leiden. Die Kollegen vor Ort wissen dies meist selber recht gut einzuschätzen. Zunehmend werden auch vertragliche Absprachen als Voraussetzung für unsere ehrenamtliche Arbeit in den Ländern wie z.B. Namibia erwartet.


So hoffen wir, dass trotz der Größe unseres Vereines und der damit notwendigen stärkeren Strukturierung, die Individualität unserer Hilfe und Einsatzfreude nicht leiden möge. Allen Mitgliedern, die sich bei INTERPLAST verwirklicht haben, ein herzliches Dankeschön ! Wir bauen auch weiterhin auf Ihr Engagement, Ideenreichtum und fachliche Spezialität. Mit INTERPLAST kann die Plastische Chirurgie in Deutschland auch international ein Zeichen setzen !


André Borsche und Gottfried Lemperle




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